Zu Gast bei Freunden: Da könnte ja jeder kommen

Die WM wird sehr viele Völker zusammen führen, denn es geht nicht nur um Kommerz, sondern auch darum, dass sich die Menschen annähern und besser kennen lernen.

Na, das ist mal ein schöner Gedanke. Der ecuadorianische Schamane Tzamarenda Naychapi hat ihn formuliert. In allen zwölf Stadien der Fußball-WM hat er eine Friedens- und Reinigungszeremonie vollzogen. Nach eigenen Worten, „um die gute Energie der Natur hierher zu bringen“.

„Bild“ formulierte es gestern so:

Auf Einladung seines Landes besuchte er Deutschland, um uns seine Kultur näher zu bringen.

Auch ein schöner Gedanke. Aber damit das funktioniert, muss der Schamane natürlich auf Menschen treffen, die sich so eine fremde Kultur näherbringen lassen wollen. Bei „Bild“ hat er sie nicht gefunden.

Es liegt nicht daran, dass „Bild“ — was für eine vermeintlich christliche Zeitung eigentlich nahe läge — an den Zauber von Amuletten und Reinigungstänzen an sich nicht glaubte. Im Gegenteil: „Bild“ pflegt einen ganz eigenen Okkultismus, einen Aberglauben an Flüche und Verwünschungen.

„Bild“ glaubt, dass die Rituale des Schamanen wirken. Was „Bild“ nicht glauben kann, ist, dass er es gut meinen könnte.

Wie abwegig, dass „Bild“ sich von einem Fremden dessen Kultur „näher bringen lassen“ könnte! Der Schamane sagt, sein Zauber sei nicht patriotisch: Er verbreite positive Energie, die für alle Mannschaften gelte. „Bild“ dagegen behauptet einen direkten Zusammenhang zwischen den Ritualen und den erfolgreichen ersten Spielen Ecuadors und schreibt:

Schamane hat unser Stadion verhext

Unser letzter Gruppengegner Ecuador greift zu faulen Tricks, um erfolgreich zu sein. (…) Ein Schamane gegen Klinsi!

Die „Bild“-Zeitung hat einen „Hexer und Voodoo-Experten“ aus Bremen als „Gegenzauberer“ „gefunden“. Der erklärte, der Zauber des Schamanen („ein raffinierter Bursche“) sei böse, er habe ihn aber „neutralisiert“ und gleich mal bei der Gelegenheit die Beine der Gegner schwerer gemacht, damit die Deutschen gewinnen.

Nett. Da bringt die „Bild“-Zeitung den „Freunden“, die da zu Gast bei uns sind, gleich mal unsere ihre Kultur nahe.

Danke an Andreas G., Markus L., Joern H. und Tobias M.!