Die Wunderheiler vom Axel-Springer-Platz

„Bild“ hat ein Wunder gesehen. Ein Babywunder:

Und es ist ohne Zweifel wundervoll, dass es dem Neffen von Ottfried Fischer wieder gut geht. Der inzwischen Einjährige war vor einem Jahr nach einer Hirnblutung ins Koma gefallen und nach rund vier Wochen wieder erwacht. Nach allem, was man weiß, in erster Linie aus „Bild“ und „Bild am Sonntag“, war die Lage ursprünglich reichlich aussichtslos. Ganz so aussichtslos, wie „Bild“ heute, fast ein Jahr später, schreibt, war sie damals aber mit Sicherheit nicht. Schon in der Unterzeile steht, „sein Neffe war hirntot“, und im Text dann:

Die furchtbare Diagnose: Hirntod!

Aha, Hirntod also. Die Bundesärztekammer, schreibt in ihren Richtlinien zur Feststellung des Hirntods folgendes:

Mit dem Hirntod ist naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt.

Demnach wäre Fischers Neffe also von den Toten auferstanden, und man fragt sich, warum „Bild“ dieses „Wunder“ nicht auf der Titelseite bringt, sondern bloß im Innenteil.

Aber eigentlich weiß „Bild“ ja selbst, dass Fischers Neffe nie hirntot war. Schließlich titelte sie schon am 20. Juni 2005: „Ottfried Fischers Neffe im Koma“. Und einen Tag später: „Mutter stillt ihr Koma-Baby jeden Tag“. Sie hatte sogar einen kleinen Kasten im Blatt, in dem ein Neurologe die Frage beantwortet, „Wie kann ein Kind trinken, das im Koma liegt?“:

„Bei einem sogenannten Wachkoma arbeitet der Hirnstamm normal, d.h. der Patient kann atmen, schlucken, sich bewegen. (…) Es besteht eine geringe Chance, daß sich Hirnschäden zurückbilden (…)“

So gesehen hatte „Bild“ das Ganze am 11. Juli letzten Jahres schon mal besser zusammengefasst:

Mit Dank an Frank R. und Mike S. für den sachdienlichen Hinweis.