Wie Hans Leyendecker erfuhr, wie „Bild“ arbeitet

Es ist, einerseits, nicht gerade ein Foto, das man als renommierter Journalist und leitender Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) von sich in der Zeitung sehen will: etwas dümmlich grinsend und mit einem Sturmgewehr in der Hand. Es ist, andererseits, nicht gerade ein Thema, das die Massen bewegt: irgendein peinliches Foto von irgendeinem Journalisten.

Weshalb sich heute morgen viele „Bild“-Leser die Frage gestellt haben dürften, warum ihre Zeitung aus diesem Thema und einem elf Jahre alten Foto einen Seite-2-Artikel erklecklicker Größe gemacht hat (siehe Ausriss). Hans Leyendecker, der „SZ“-Mann auf dem Foto, fällt gegenüber dem „Tagesspiegel“ nur diese Antwort ein:

„Ich vermute, dass ich in irgendein Zwielicht gerückt werden soll.“

Er habe in der vergangenen Woche den „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann angerufen und ihn darauf hingewiesen, dass „ein wegen Volksverhetzung verurteilter so genannter Esoteriker, der die Judenvernichtung verharmlost, von ‚Bild‘ als so genannter Experte für einen Rückführungstest eingesetzt wurde“. Unmittelbar danach habe sich ein „Bild“-Reporter bei ihm gemeldet und eine „unangenehme Frage“ nach dem kompromittierenden Foto gestellt.

Am vergangenen Freitag berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, die von Leyendecker auf das Thema aufmerksam gemacht wurde, über den Fall des Volksverhetzers Trutz Hardo als „Bild“-Mitarbeiter. Und heute berichtet „Bild“ über Hans Leyendecker.

Ein sachlicher Grund dafür ist nicht offensichtlich, denn die Geschichte ist alt. Dass Leyendecker in Kolumbien mit dem Gewehr fotografiert wurde, hatte im Zusammenhang mit dem Skandal um die Beschattung von Journalisten durch den BND am 27. Mai 2006 schon die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Und auch das Foto selbst ist längst bekannt: Schon am 10. November 1997 hatte es der „Focus“ gezeigt. Leyendecker, zuvor beim „Spiegel“, klagte gegen den Bericht.

Um warum veröffentlicht „Bild“ dasselbe Foto acht Jahre später noch einmal? Als Drohung, vermutet Leyendecker und fügt hinzu:

Bislang hatte ich nur von solchen „Bild“-Arbeitsweisen gehört.

„Bild“-Chefredakteur Diekmann bestreite jeden Zusammenhang.