Billiger geht’s nicht

So wie rechts sah gestern die Titelseite der „Bild“-Zeitung aus. In ihrem Aufmacherartikel warb sie für ein Angebot des einschlägig bekannten Discounters Lidl: Man solle in eine der „über 2600 Lidl-Filialen“ gehen und einen Coupon aus der „Bild“-Zeitung an der Kasse abgeben, dann werde man für 99 Cent einen Six-Pack „köstliches Grafenwalder Premium-Pils“, „eine große Tüte knackige Erdnuß-Flips“ und eine Deutschland-Fahne bekommen.

Die Tageszeitung „taz“ stellte daraufhin eine naheliegende Frage: Muss man über eine solche Anzeige nicht „Anzeige“ schreiben? Sie bekam unterschiedliche Antworten:

Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, sagte, ja, das Wort „Anzeige“ fehle.

Carel Mohn, Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, sagte, Springer verstoße zur Gewinnmaximierung bewusst gegen das Gesetz — das sei ein „besonders krasser Fall von unlauterer Werbung“.

Tobias Fröhlich, Sprecher der „Bild“-Zeitung, sagte, hier werde gegen gar nichts verstoßen — das sei „eine Aktion der Zeitung für ihre Leser mit einem Partner und als solche klar erkennbar“.

Nur als was die Aktion klar erkennbar sei, als Werbung, als redaktioneller Beitrag oder als lustige Mischform, scheint der „Bild“-Sprecher der „taz“ nicht gesagt zu haben.

Danke an Franz T. und viele andere!

Nachtrag, 27.7.2006: Der Presserat teilt die Einschätzung der Verbraucherzentralen und der Werbewirtschaft nicht. Wie man in einer Pressemitteilung der Axel Springer AG nachlesen kann, hat der Presserat „drei Beschwerden gegen BILD als offensichtlich unbegründet zurückgewiesen“. In der uns vorliegenden Begründung heißt es, mit der der Lidl/“Bild“-Aktion werde der „Grundsatz der klaren Trennung von Werbung und Redaktion nicht verletzt“. Laut Presserat handelt es sich vielmehr um zulässiges „Eigenmarketing“.

Mit Dank an Tobias F. für den Hinweis.