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Alzheimer-Journalismus im Supermarkt

Es gibt so ein paar Begriffe, da gehen bei Journalisten sofort alle Warnlämpchen an. „Erstmals“ beispielsweise, das ist so ein Signalwort. Was dann eigentlich passiert, ist gar nicht so wichtig. Hauptsache, man kann das Attribut „erstmals“ draufpacken. Bei „Bild“ hat der Reflex auch bei dieser Geschichte gegriffen, die sie am Samstag auf Seite 1 (!) präsentierte:

Man brauche jetzt bei Rewe in Hürth weder Kredit- noch EC-Karte und auch kein Bargeld bei sich haben, freut sich „Bild“ — solange man einen Finger hat, mit dem man einen Fingerabdruck hinterlassen kann, ist das bargeldlose Bezahlen gesichert. Was bis dahin auch gar nicht verkehrt ist, nur — das mit dem „erstmals“ und dem „neu“, das ist so eine Sache. Beispielsweise berichtete der „Tagesspiegel“ schon im August 2007 über dieses Thema und schrieb halbwegs lakonisch, dass das Bezahlen mit Fingerabdruck schon „längst Realität“ sei (Basis des Texts war übrigens eine Agenturmeldung von AFP). Die ARD hingegen monierte (ebenfalls bereits 2007), dass das Bezahlen mit dem Finger noch einige Sicherheitsmängel habe.

Ach ja, und schließlich gab es da noch ein anderes Medium, das im August 2007 über die neuen Zahlungsmethoden berichtete. Die „Bild“-Zeitung meldete unter der fast wörtlich gleichen Überschrift damals:

Neu im Supermarkt! Bezahlen mit Fingerabdruck

Über den Artikel haben wir damals schon im BILDblog berichtet — und einmal dürfen Sie jetzt raten, warum.

Richtig: Das Bezahlen mit Fingerabdruck war auch damals keine Neuigkeit, und sogar „Bild“ hatte wiederum zwei Jahre zuvor, also 2005, von einem anderen Supermarkt berichtet, der dasselbe anbot.

Mit Dank an Thomas O., Max O.,  Holger M. und Martin B. !

Nachtrag, 9. Dezember:

Berichtigung des Bild-Artikels