Wir basteln uns eine Florida-Bärbel

Gestern berichtete „Bild“ über eine Frau, die in einem ziemlich großen Haus wohnt:

„Bild“ schreibt:

Sie führt dreist ein Leben im Luxus auf Steuerzahlerkosten — und findet überhaupt nichts dabei …

Hartz-IV-Empfängerin Bärbel P. (52) residiert sorglos in einer 500-Quadratmeter-Traumvilla in Laer (NRW). Das kann sie sich leisten, denn das Amt überweist jeden Monat pünktlich die Miete!

Wir wissen zwar nicht, wie „sorglos“ es sich mit 345 Euro im Monat (das ist der Regelsatz für das ALG II) „residiert“, aber zumindest soviel stimmt an dem „Bild“-Text: Bärbel P. ist Hartz-IV-Empfängerin und das Amt überweist pünktlich Miete, wie uns die zuständige Kreis-Sprecherin Kirsten Weßling bestätigt.

Bärbel P. erhält laut Weßling genau das, was ihr zusteht: „Sie bekommt das Geld für die ortsübliche Miete von 45 Quadratmetern Wohnraum und einen entsprechenden Heizkostenzuschuss.“ Hinzu kämen noch Zuschüsse für zwei weitere Personen, die im Haushalt leben.

Über die genauen Zahlen wollte Weßling aus nachvollziehbaren Gründen weder „Bild“ noch uns gegenüber Auskunft geben. Aber es erscheint nicht unrealistisch, wenn der Vermieter „Bild“ sagt, er bekomme vom Kreis 470 Euro für Bärbel P. sowie 260 und 160*165 Euro für Bärbel P.s Tochter und deren Freund, die ebenfalls in dem Haus wohnen. Insgesamt also nur 895 Euro, obwohl die Miete laut „Bild“ eigentlich 1200 Euro beträgt.

Spätestens hier hätte „Bild“ klar sein müssen, dass das eigentlich gar keine Hartz-IV-Geschichte ist. Denn der „Staat zahlt“ zwar, aber offenbar nicht die komplette Miete der „500-Quadratmeter-Traumvilla“, sondern lediglich für angemessenen Wohnraum — ganz so wie Hartz IV es vorsieht.

Da kann „Bild“ noch so oft „auf Steuerzahlerkosten“ und „auf Staatskosten“ schreiben, dreist sind die „dreisten Mieter“ offenbar nur insofern, als sie (bzw. das Amt) zu wenig Miete zahlen. Nur haben das wohl weder „Bild“ noch der Vermieter verstanden, wie folgendes Zitat am Ende zeigt:

„Eigentlich müßte ich ja froh sein, daß jetzt wenigstens vom Staat Geld kommt. Aber es ist eine Frechheit, daß ehrliche Steuerzahler geschröpft werden. Und solche Leute auf Kosten der Allgemeinheit in Saus und Braus leben. Bei Gericht sagte man mir, eine Räumungsklage dauert anderthalb Jahre …“

Klar, und bei „Bild“ macht man einfach kurzen Prozess.

Mit Dank an Tobias M. für den sachdienlichen Hinweis.

*) Wir hatten uns ursprünglich vertippt. Sorry.