Heide Simonis isst, schlendert und lässt sich fahren

Die „Bild“-Zeitung befindet sich nicht erst seit dieser Woche im Rechtsstreit mit Heide Simonis. Bereits seit über einem Jahr kämpft die Zeitung juristisch darum, die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin auch bei privaten Beschäftigungen verfolgen, fotografieren und abbilden zu dürfen.

Am 27. April 2005, dem Tag ihrer Abwahl, hatte „Bild“ Simonis beschatten lassen, zeigte sie tags drauf im Einkaufszentrum, an der Fischtheke, in einer Modeboutique. Text: „Mit gesenktem Haupt steht Heide Simonis an der Salattheke, Einkaufen, um Frust zu bewältigen und zumindest für Sekunden wieder glücklich zu sein. Bei H & M kauft Simonis einen Hosenanzug und hat anschließend nicht einmal mehr Blicke für Schuhe übrig.“ Das Berliner Landgericht untersagte der Zeitung mit einer einstweiligen Verfügung zunächst, Simonis weiter verfolgen zu lassen oder Bildnisse von ihr bei privaten Einkäufen zu verbreiten. Nach europäischem Recht steht auch Prominenten und Politikern eine Privatsphäre zu, die die Presse zu respektieren hat, solange keine öffentlichen Belange berührt sind. Doch ein endgültiges Urteil steht bislang aus.

Gestern hat die „Bild“-Zeitung trotzdem einfach schon einmal nachgelegt. In ihrer Hamburger Ausgabe brachte sie mehrere Fotos von Simonis und einen Artikel, der sich keine große Mühe gibt, überhaupt den Anschein eines öffentlichen Interesses zu erwecken:

In Hamburg genoß sie gestern die Sonne

Altona — Gestern war Heide Simonis in Hamburg.

Im „May B“ am Eppendorfer Weg machte sie Mittagspause, ließ sich dann von ihrem Referenten in einem blauen Mazda zum Gymnasium Allee in der Max-Brauer-Allee 83 fahren.

Erst danach geht es um einen Pressetermin, den Simonis in Hamburg absolvierte. Ein Foto zeigt sie bei diesem Termin, zwei weitere sind wie folgt beschriftet:

Gestern 12.30 Uhr im Eppendorfer Weg. Im „May B“ essen Heide Simonis und ihr Referent zu Mittag.

Nach der Pause in der Sonne schlendern die beiden zu ihrem Auto, einem blauen Mazda, fahren zum Gymnasium Allee.

Es spricht wenig dafür, dass die „Bild“-Zeitung das Recht hatte, solche Paparazzi-Fotos zu veröffentlichen. Es ist auch schwer zu erkennen, warum sich die Leser der „Bild“-Zeitung für diese sehr, sehr unspektakulären Aufnahmen interessieren sollten. Aber wie abwegig wäre es, solche Fotos nur zu zeigen, um jemanden, der sich gegen die Zumutungen der „Bild“-Zeitung juristisch wehrt, zu provozieren?