Heide Simonis wehrt sich gegen „Bild“

Frau Simonis reicht es jetzt.

Die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin hat vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung erwirkt. „Bild“ muss nach dem Beschluss, der BILDblog vorliegt, folgende Gegendarstellung auf der Titelseite drucken:

Zu der Überschrift in Bild vom 2.5.2006 „Heide Simonis jetzt ins Dschungel TV?“ stelle ich fest: Ich habe stets erklärt, daß ich zur Teilnahme an einer solchen TV-Show nicht zur Verfügung stehe.

Über Wochen hatte sich „Bild“ über die Teilnahme von Frau Simonis an der RTL-Show „Let’s Dance“ in Rage berichtet. Vorläufiger Höhepunkt war dieser gewaltige Aufmacher am Dienstag*:

Heide Simonis jetzt ins Dschungel-TV?

Die Frage hätte „Bild“ selbst aus vielerlei Gründen mit „Nein“ beantworten können — nicht zuletzt, weil Frau Simonis selbst die Teilnahme an solchen Sendungen längst ausgeschlossen hatte, auch gegenüber „Bild“. Am 11. April hatte die Zeitung schon nachgefragt: „Frau Simonis, haben Sie keine Angst, sich lächerlich zu machen?“ Und Heide Simonis hatte den Unterschied erläutert zwischen Tanzen (nicht peinlich) und Ameisen-Essen (peinlich) und erklärt: „Es gibt auch Grenzen. Ich würde z.B. nicht ins Big-Brother-Haus einziehen.“

Mit Fotomontagen illustrierte die „Bild“-Zeitung am Dienstag gleich ihre Fantasie und zeigte Frau Simonis mit Maden, halbnackt im „Big Brother“-Haus, beim Promiboxen. Auch diese Abbildungen will Simonis verbieten lassen, weil damit ihre „Menschenwürde und die Bild- und Persönlichkeitsrechte“ verletzt würden. Weil „Bild“ freiwillig keine Unterlassungserklärung abgeben wollte, entscheidet darüber nun das Landgericht Berlin. (Bei Bild.de ist der entsprechende Artikel bereits jetzt nicht mehr vorhanden.)

Das ist interessant, was „Bild“ unter Berichterstattung versteht: Fragen stellen, die bekannten Antworten ignorieren und das Gegenteil suggerieren. Auch am Mittwoch. „Bild“ schrieb:

Bereut Heide Simonis ihre Teilnahme am RTL-Spektakel bereits? Gestern teilte die Deutschland-Vorsitzende von „Unicef“ mit: Nach „Let’s Dance“ hängt sie ihre Tanzschuhe an den Nagel. Weitere TV-Show mit ihr soll es nicht geben. Simonis: „Noch drei Runden tanzen, dann ist das Thema erledigt.“

Man könnte denken, die Zitate von Simonis seien die Antwort auf die „Bild“-Frage, ob sie ihre Teilnahme an der Show bereue. Und es klingt, als bereute sie es. Dabei gab Simonis gegenüber dpa eine klare Antwort auf die Frage von „Bild“:

Ihre Teilnahme an „Let’s Dance“ bereue sie trotz der teils hämischen Kommentare nicht, sagte Simonis (…)

*) Durch diesen „Bild“-Artikel ließ sich auch eine vermeintlich seriöse Zeitung wie der „Kölner Stadtanzeiger“ online zu der Schlagzeile animieren: „Heide Simonis soll in den Dschungel“. Erst im Nachhinein wurde der Artikel geändert. Er heißt jetzt: „Heide Simonis will nicht in den Dschungel“.