Deutsche verklagen Schmuddelwetter

Das Wörtchen „klagen“ ist eine Art Teekesselchen, denn es bedeutet (laut Duden) einerseits jammernd den Schmerz, die Trauer laut äußern, sich über sein Leiden an etwas äußern, Unmut, Ärger äußern, sich beschweren, Unzufriedenheit in bekümmertem Tonfall äußern, jemandem etwas ihn Bedrückendes, ihm Sorgen Machendes erzählen, den Verlust von jemandem/etwas stark empfinden und bedauern sowie andererseits „bei Gericht Klage führen“, wobei „Klage“ hier im Sinne einer bei Gericht vorgebrachten Beschwerde und dem Geltendmachen dieses Anspruchs durch ein gerichtliches Verfahren gemeint sei.

Sprachlich unterscheiden sich die beiden Bedeutungen oft nur durch die dazugehörige Präposition, inhaltlich hingegen sehr.

Und nachdem der Ombudsmann der EU am Montag in Brüssel seinen Jahresbericht vorgestellt hatte, schreibt die „Welt“:

„3920 Bürger klagten über den
Mißbrauch der Macht bei der EU“
(Hervorhebung von uns.)

Aber auch andere Medien berichten dieser Tage über die vielen Beschwerden/Anfragen/Reklamationen/Fälle, mit denen es der EU-Ombudsmann 2005 zu tun hatte, und selbst Freenet.de z.B. gelingt es, den Sachverhalt mit freundlicher Unterstützung der dpa korrekt zusammenzufassen:

„Tausende Bürger beklagen alljährlich Ungerechtigkeiten, Machtmissbrauch und sonstige Missstände bei der EU-Kommission und anderen europäischen Einrichtungen.“

Nur „Bild“ (also ausgerechnet „Europas größte Tageszeitung“) kriegt’s mal wieder nicht hin, den EU-Sachverhalt heute auf ihrer Titelseite sinnvoll wiederzugeben. Stattdessen heißt es dort:

Bürger klagen gegen EU. Brüssel - Ungerechtigkeit, Machtmißbrauch, fehlende Transparenz in den Behörden - 3920 Bürger haben deswegen in 2005 die EU verklagt. So viele wie nie zuvor, heißt es in einem EU-Bericht.

Mit Dank an Tim U. für Hinweis und Ausriss.