Mit „Bild“-Schlagzeilen Versicherungen verkaufen

Und da die „Bild“-Zeitung auch heute wieder erhebliche redaktionelle Energie auf ihre zunehmend groteske Renten-Lügen-Kampagne verwendet, stellt sich wieder einmal und immer drängender die Frage: Warum machen die das? Um sich als Kämpfer für den kleinen Mann darzustellen und die Auflage zu steigern?

Nicht nur.

Alles spricht dafür, dass die „Bild“-Kampagne den Verkauf privater Rentenversicherungen ankurbeln soll. Besonders deutlich wird die Vermischung redaktioneller und werblicher Inhalte heute im Online-Angebot von „Bild“. Dort stehen im Artikel „Rente ist nicht sicher: Müssen wir uns wirklich so belügen lassen?“, der von der gedruckten „Bild“-Zeitung übernommen wurde, vier Kästen, die „Mehr zum Thema“ versprechen (siehe Ausriss):

Der erste „Mehr zum Thema“-Kasten („Fragen an Experten: Müssen wir uns wirklich so belügen lassen?“) führt tatsächlich zu weiteren redaktionellen Inhalten aus der „Bild“ von heute: vier Zitate von Experten zum Thema.

Der zweite „Mehr zum Thema“-Kasten („Egal ob Single oder Familie — das gibt’s vom Staat dazu“) führt tatsächlich zu einer entsprechenden Service-Tabelle — allerdings von der Allianz, die auch private Rentenversicherungen verkauft und ein „Partner“ von Bild.T-Online ist. Es handelt sich dabei um eine Anzeige.

Der dritte „Mehr zum Thema“-Kasten („Hier können Sie Ihre Riester-Rente berechnen“) führt unerwarteterweise direkt zum Internetangebot der Allianz. Dort heißt es: „Berechnen Sie mit dem RiesterRente Rechner Ihre ganz persönliche Allianz RiesterRente.“ Das Unternehmen vermischt den landläufigen Namen für eine staatlich geförderte Form der freiwilligen Rentenversicherung („Riester-Rente“) mit dem Namen für ein eigenes Angebot („Allianz RiesterRente“). Diese „Allianz RiesterRente“ hatte vor wenigen Monaten noch einen anderen Markennamen: Sie hieß „VolksRente“ und war ein gemeinsames Angebot von Allianz und Bild.T-Online.

Der vierte „Mehr zum Thema“-Kasten schließlich trägt den Titel „Was Sie über Ihre Riester-Rente wissen müssen!“ und ist der beste von allen. Wer auf ihn klickt, kommt zu einem Pop-Up mit 7 Fragen zum Thema. Alles deutet darauf hin, dass es sich hier um ein redaktionelles Angebot handelt: Das Pop-Up sieht aus wie die redaktionellen Pop-Ups bei Bild.de, es trägt das Logo von Bild.de, in der Titelzeile steht „Bild.T-Online.de“, es gibt kein Logo eines Versicherungsunternehmen und keinen Link zu irgendeiner Verkaufsseite. Was es allerdings gibt, sind Fragen und Antworten wie diese:

Erhalten auch Hausfrauen bzw. -männer die vollen Zulagen?

Ja, wenn der berufstätige Ehepartner eine Allianz Riester Rente hat, kann auch der — nicht berufstätige — Ehegatte einen eigenen Vertrag abschließen.

Oder diese:

Wie bekomme ich die Förderung?

Das ist für Sie ganz einfach: Es genügt eine Bevollmächtigung, alles weitere erledigt Ihr Fachmann von der Allianz oder der Dresdner Bank für Sie.

Und der Artikel, in den all das eingepasst ist, trägt — wie gesagt — die Überschrift: „Müssen wir uns wirklich so belügen lassen?“
 
Nachtrag, 14 Uhr: Bild.de hat die „Mehr zum Thema“-Kästen, die nicht auf redaktionelle Seiten, sondern auf diverse Werbeseiten verlinkten, aus dem „Bild“-Artikel entfernt. Stattdessen wurde ein neuer Kasten eingefügt, der auf eine (dem Bild.de-Layout allerdings recht ähnliche) Allianz-Anzeige verlinkt, und der Kasten selbst mit dem Wort „Anzeige“ überschrieben (siehe Ausriss).