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„Bild“ erfindet Fuchsberger-Rücktritt

Ziemlich gute Schlagzeile, das:

BLACKY FUCHSBERGER: Nie wieder TV!

Nur: Sie stimmt nicht.

„Das ist in dieser Form reiner Schwachsinn“, sagt Joachim Fuchsberger gegenüber BILDblog. „Das ist eine ‚Bild‘-typische Übertreibung für eine gute Schlagzeile.“ Und auch die markigen Sätze, mit denen er im Artikel von „Bild“ zitiert wird, habe er nicht alle in dieser Form gesagt. Autorisiert habe er keinen einzigen davon.

Aber überrascht klingt er nicht. Vielleicht ist also das, was Fuchsberger einem so alles erzählt, wenn man ihn anruft, eine ganz normale Geschichte aus dem Alltag von „Bild“:

Fuchsberger sagt, er sei von „Bild“ angesprochen worden, nachdem sein Freund Vicco von Bülow angekündigt hatte, nur dann noch einmal ins Fernsehen zurückzukehren, wenn Fuchsberger „noch einmal eine große Gala macht“. Der „Bild“-Reporter Malte Biss habe ihn daraufhin gefragt, ob denn eine solche Show geplant sei. Er habe geantwortet, was er seit vielen Jahren schon antwortet: Dass er ausschließt, im deutschen Fernsehen je wieder eine Samstagabend-Show zu machen. Von einem Rückzug darüber hinaus sei keine Rede gewesen, sagt Fuchsberger, im Gegenteil: Es gebe einige Pläne für neue Sendungen. Wenn aus diesen Projekten etwas werde, sei es ihm „eine große Freude“, weiter Fernsehen zu machen.

Gestern abend um halb zehn habe ihn Malte Biss dann angerufen und ein „sehr schlechtes Gewissen“ gehabt, sagt Fuchsberger — offenbar wegen der sehr abwegigen Schlagzeile. Er habe das noch nie erlebt, dass ein Journalist ihn quasi vorab vor seinem eigenen Artikel gewarnt habe. Biss habe gefragt, ob Fuchsberger nun mit dem Anwalt gegen den Bericht vorgehen werde. Fuchsberger ließ das zunächst offen.

Gerade weil er mit verschiedenen Leuten über neue Fernseh-Projekte im Gespräch sei, hätte die falsche „Bild“-Schlagzeile geschäftsschädigend wirken können. Er habe dann heute erleichtert festgestellt, dass die meisten Menschen aus der Branche ohnehin nicht glaubten, was in „Bild“ steht.

(Die „Nachricht“ wurde dennoch weiterverbreitet. Die Agentur AP veröffentlichte heute nachmittag zwei Meldungen, in denen sie die „Bild“-Behauptungen ungeprüft übernahm. Überschrift: „Fuchsberger will kein Fernsehen mehr machen.“)

Fuchsberger ist überzeugt, dass „Bild“ der Fehler nicht versehentlich unterlaufen ist. Dennoch will er nicht gegen die Zeitung vorgehen. Was könne ein Anwalt schon erreichen? „Eine Gegendarstellung? Who the hell cares!“ Stattdessen habe er lieber einen „Deal“ mit „Bild“ gemacht, die nun bei ihm etwas gut zu machen habe.

Vermutlich wird also in den nächsten Tagen ein sehr freundlicher Artikel in „Bild“ erscheinen, der ein neues Projekt von Fuchsberger vorstellt und ganz nebenbei den möglicherweise entstandenen Eindruck geraderückt, er könne sich für immer aus dem Fernsehen zurückziehen.

Zur Erinnerung: Chefredakteur Kai Diekmann rief vor eineinhalb Jahren eine neue „Null-Toleranz“-Politik gegenüber Verstößen gegen „unsere journalistische Standards“ aus und gab vor, „übergeigte Überschriften“ hätten in „Bild“ „nichts zu suchen“. Ebenso behaupten Diekmann und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, dass für alle Medien des Konzerns „journalistische Leitlinien“ gälten, wonach Journalisten bei Axel Springer Interviews ohne Ausnahme vom Gesprächspartner autorisieren lassen müssen.

Danke an Jan K.!

[Fortsetzung hier.]