Die klare Sprache von „Bild“

Ausgesprochen unkritisch interviewt „Bild“ heute den umstrittenen Historiker Arnulf Baring, nennt ihn „Deutschlands "Deutschlands klügster Kopf redet Klartext - Das läuft mit den Ausländern falsch"klügster Kopf“ (obwohl man ihn mit derselben Logik auch den „naivsten Kopf Deutschlands“ nennen könnte) und macht ihn zur Titelschlagzeile (siehe Ausriss).

Spiegel Online schreibt dazu:

Im (…) Interview erklärt der Historiker Arnulf Baring, der Deutschland schon vergangenes Jahr über Notverordnungen (!) regiert sehen wollte, dann jenen Satz, der seit dem Hilferuf der Rütli-Schule an jedem Stammtisch zu hören ist: „Multikulti ist gescheitert.“ Schuld daran sind — so sehen es die Konservativen — natürlich die „Multikulti-Befürworter“, also jene rot-grünen Dummdeutschen, die in den vergangenen Jahrzehnten immer brav und arglos zwischen kurdischem Volksfest (vermutlich heimliche Terroristenversammlung) und libanesisch geführtem Italiener-an-der-Ecke (Schnauzbart, sehr suspekt) hin- und hergependelt sind. Freilich ohne zu merken, wie der Kurde und der südländische Kellner heimlich ihre blitzenden Messer wetzen, schlecht über unsere deutschen Frauen reden und hinter unserem Rücken ein unfriendly Takeover der Bundesrepublik vorbereiten. Wie gut, dass uns Arnulf Baring gerade noch rechtzeitig gewarnt hat!

Es ist deshalb höchste Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen: Weder Rot-Grün oder die naiven Multikulti-Befürworter tragen die Hauptschuld an der jetzigen Integrationsmisere. Der Mann heißt Helmut Kohl. (…)

Auch ein Massenblatt wie die „Bild“-Zeitung könnte mit ihrer klaren Sprache hilfreich sein. Auf Ausgaben, in denen Kampagnen gegen erfolgreiche Schauspielerinnen türkischer Herkunft gefahren werden oder ein Arnulf Baring von der Leine gelassen wird, können wir dagegen verzichten.