Graeter, Amanpour, Knüwer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. Interview mit Michael Graeter
(galore.de, Susanna Riethmüller)
Klatschreporter Michael Graeter, vor kurzem noch Gefängnisinsasse unter anderem wegen Insolvenzverschleppung, im ausführlichen Interview: „Natürlich kann man vieles vom Schreibtisch aus recherchieren, am Telefon. Aber: Nur vor Ort wartet die Geschichte, die man eben nicht erwartet hat. Meistens trifft man irgendjemanden, und der hat dann noch eine ganz neue Story dabei. Vielen jungen Reportern, ich muss es leider so sagen, fehlt ein bisschen der Biss.“

2. Interview mit Christiane Amanpour
(spiegel.de, Frank Hornig und Thomas Schulz)
CNN-Reporterin Christiane Amanpour wechselt nach 20 Jahren Auslandberichterstattung in den Innendienst: „Was mich schmerzt, ist, mit welchem Zynismus Nachrichten und Berichterstattung oft gesehen werden. Wir riskieren unser Leben, wir glauben an eine Aufgabe, die wir zu erfüllen haben. Das ist doch kein Videospiel!“

3. „‚Spiegel TV‘ tritt Berlin in die Tonne“
(faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)
„Was ‚Spiegel TV‘ da für den späten Sonntagabend zusammengepappt hat, ist das Ergebnis eines Elendsjournalismus, der selbst fürs deutsche Fernsehen ungewöhnlich eklig ist, weil er nur zu dem Zweck betrieben wird, dass sich selbstgefällige Reporter über alles und jeden lustig machen können, der so leichtsinnig war, dem Kamerateam nicht Hausverbot zu erteilen.“

4. Interview mit Thomas Knüwer
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Thomas Knüwer, bisher beim „Handelsblatt“, wird Medienberater. Und er weiss auch wieso: „Viele Unternehmen sehen, dass da etwas vor sich geht mit dem Internet aber sie stehen wie der Ochs vorm Berge und suchen nach Menschen, die ihnen Orientierung bieten können.“

5. Interview mit Res Strehle
(sonntagonline.ch, Christof Moser und Kurt-Emil Merki)
Nach der „NZZ“ und vor dem „Blick“ gibt sich auch die Tageszeitung „Tages-Anzeiger“ einen neuen Anstrich. Einer der Chefredakteure, Res Strehle, will das „Pflichtprogramm“ reduzieren: „Ich stelle mir vor, dass künftig vielleicht noch rund die Hälfte der Redaktion tagesaktuell arbeitet. (…) Die andere Hälfte arbeitet in einer Geschwindigkeit, welche zwei, drei Tage Recherche und Analyse erlauben.“

6. „Don’t Bail Out Newspapers“
(blog.newsweek.com/blogs/techtonicshifts, Daniel Lyons, englisch)
Daniel Lyons will nicht, dass die Zeitungen vom Staat unterstützt werden: „Let Them Die and Get Out of the Way.“