Robin Hood für ganz Arme II

Beginnen wir mit einem Witz. „Bild“ schreibt heute:

Jetzt kämpft BILD für das Recht auf korrekte Information.

Aber im Ernst: „Bild“ hat es wirklich getan, die Zeitung hat einen dicken Umschlag in einen Briefkasten werfen lassen.

Und dabei könnte man es eigentlich auch belassen.

Andererseits hat „Bild“ sich doch so viel Mühe gegeben, den Anschein zu erwecken, dieses Einwerfen eines dicken Umschlags in einen Briefschlitz sei irgendwie bedeutsam: Bei dem Briefschlitz handelt es sich nämlich um den des Hamburger Landgerichts. Außerdem ist der Umschlag an die Staatsanwaltschaft Hamburg adressiert. Ja, „Bild“ hat sogar einen Anwalt mit dieser simplen Tätigkeit des Brief-Einwerfens beauftragt.

Dabei könnte jeder jeden Tag zig dicke an Staatsanwaltschaften adressierte Umschläge in Briefschlitze sämtlicher Landgerichte Deutschlands werfen und es hätte auch nicht mehr zu bedeuten. (Wahlweise täte es natürlich auch ein kurzer Anruf bei der Polizei, die ohnehin zunächst die Ermittlungen führen muss.)

Doch „Bild“ macht dieses Brief-Einwerfen heute zum großen Aufmacher ihrer Seite zwei:

Und wie gestern behauptet „Bild“ auch heute wieder, sie würde diese ominösen „Renten-Lügner“ verklagen, obwohl sie sie doch eigentlich anzeigt. Wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Und wie schon gestern, lässt „Bild“ ihre Leser im Unklaren darüber, wen sie eigentlich genau anzeigt und wie da jemand eigentlich diese beiden Straftatbestände erfüllt haben soll. Im Text heißt es nur:

Zur Begründung schreibt der Jurist unter anderem: „Die permanente Aussage, daß die Rente sicher sei, ist objektiv wahrheitswidrig. Dennoch wird sie auch aktuell weiterhin von Politikern so geäußert.“

(…)

Anwalt Thomas: „Hier wurden Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von der Politik betrogen und das gesamte Geld veruntreut.“

Zusätzlich hat „Bild“ offenbar noch drei Juristen befragt. Einen Wirtschaftsanwalt, einen Fachanwalt für Sozialrecht, und einen Staatsrechtler. Außerdem kommt noch ein Lobbyist zu Wort. Und obwohl es doch um zwei Straftatbestände geht, hat „Bild“ auf die Befragung eines Strafrechtlers verzichtet.

Kurz gesagt: Bislang gibt „Bild“ keine Informationen preis, die irgendwie Aufschluss darüber geben, ob diese Anzeige mehr ist, als eine große Luftblase, die sich irgendwann in Empörung über bereits Bekanntes auflöst: nämlich, dass das Grundgesetz Politiker vor Strafverfolgung schützt – das jedenfalls schreibt heute eine große Schwesterzeitung von „Bild“.

Fortsetzung folgt …