„Bild“ wirkt

Vorgestern erschien in der „taz“ ein Artikel, in dem der Autor F. ausführlich schilderte, wie er einmal in Indien einen Hund getötet hatte. Es war eine Straßenhündin mit fünf Welpen. Ein Motorradfahrer hatte sie am Morgen des Vortages überfahren. Seitdem hing sie schwer verletzt in einem Gartenzaun. F. forderte den Motorradfahrer auf, das Leid des Hundes zu beenden. Beim Versuch, den Hund zu töten, verletzte der Motorradfahrer ihn anscheinend noch weiter. Schließlich ging F. selbst hin, schlug auf den Hund brutal mit einem Stock ein und ertränkte ihn schließlich.

Die Wortwahl des „taz“-Artikels ist drastisch. Und im Gegensatz zum Text selbst, der Mitleid mit den Tieren ausdrückt, lautet der Vorspann: „Wer Köter keulen will, braucht eine richtige Keule. Vor allem, wenn er von Buddhisten umzingelt ist.“

Das bizarre Protokoll einer Hunde-TötungDie „Bild“-Zeitung berichtet heute in großer Aufmachung über „das bizarre Protokoll einer Hunde-Tötung“ und den „Wirbel“, den der Artikel angeblich auslöste. Sie zeigt ein Foto des „taz“-Redakteurs und eine große Zeichnung von einer Hündin, die Welpen säugt, zitiert weite Strecken aus dem „taz“-Artikel, lässt aber unter anderem die Beschreibung weg, wie lange die Hündin schon verletzt gewesen sein soll und wie schwer ihre Verletzungen nach Angaben des Autors waren. Zum Schluss zitiert sie einen empörten Tierschützer, veröffentlicht eine E-Mail-Adresse der „taz“-Redaktion (die auch immer unter den Kolumnen steht) und schreibt (in der gedruckten Ausgabe): „Keinen Computer? Hier ist die Telefonnummer: 030/…“

Bei der „taz“ herrschten darauf heute ähnliche Verhältnisse wie beim Satiremagazin „Titanic“ im Sommer 2000. Nachdem die „Titanic“ die Bestechlichkeit von Fifa-Mitgliedern bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft erfolgreich getestet hatte, titelte „Bild“ damals: „Böses Spiel gegen Franz (Beckenbauer)“ und forderte auf, die Redaktion anzurufen und ihr die Meinung zu sagen — eine Auswahl der Ergebnisse bietet die „Titanic“ auf einer CD an.

Nicht weniger als tausend Mails seien seit dem „Bild“-Bericht eingegangen, heißt es bei der „taz“ heute. Darunter diese:

Wenn ich sie irgendwann mal treffen sollte, werde ich mit Sicherheit auch meinen Spaten dabei haben, seien sie sich sicher. (…) Ich werde ihnen das gleiche antun, was sie dem wehrlosen Hund angetan haben. Und auch ich werde keine Skrupel haben, wenn sie mich wimmernd und voller Angst anblicken. Ich werde, wie sie, eiskalt sein, und mitten zwischen die Augen zielen. Ich werde sie so zurichten, dass sie nicht mehr wissen wo oben oder unten ist. Mit meiner ganzer Kraft auf sie einschlagen, einmal, zweimal, dreimal…

Doch töten werde ich sie nicht , ich werde sie qualvoll leiden lassen. Ich will dass sie leiden wie dieser Hund… (…) Ich werde ihrer Seele einen tiefen EInschnitt verpassen, den sie ihrer Lebtag nicht mehr vergessen…

Und diese:

Normalerweise bin ich kein Mensch, der jemand andren was schlechtes wünscht oder so…. IHNEN wünsche ich aber wirklich von ganzem Herzen, dass Ihnen irgendwann das gleiche Schicksal widerfährt!!!!!!! Dass Sie hilflos am Boden liegen und nur noch zusehen können, wie auf Sie eingeprügelt wird….!

Und diese:

ich kann ihnen versichern, daß ich ihnen mit vergnügen und ohne mit der wimper zu zucken, mit einem holzprügel zwischen die augen schlagen könnte – und selbst ihr gewimmer könnte mich davon nicht abhalten. eher würde mir dadurch ihre erbärmlichkeit verdeutlicht werden, und ich würde noch einen freudigen schlag gegen ihr unterkiefer vollziehen, so das dieses von ihrer schädelbasis getrennt würde. (…)

mit grüßen, die ihnen den tod, die pest oder krebs an den hals wünscht.

Nachtrag, 6. April. F. hat sich bei uns gemeldet und bittet darum, ihm keine weiteren Mails mehr zu schicken, auch keine mit Zuspruch oder Aufmunterungen. So sehr er sich darüber freut — er kommt gegen die Menge einfach nicht mehr an.