Wie „Bild“ Bild.de korrigiert

Gestern hatte Bild.de eine Kurzmeldung aus dem Nachrichtenangebot des irischen Internet-Anbieters Ireland On-line übernommen, wonach der Schauspieler Daniel Craig bei Dreharbeiten für den „James-Bond“-Film „Casino Royal“ Schwierigkeiten hatte, ein Auto mit Gangschaltung zu fahren. Bild.de behauptete:

„Der neue Agent Ihrer Majestät kann seinen High-Tech-Dienstwagen gar nicht fahren! Das meldet der irische Internet-Dienst ‚Ireland On-Line‘.

James Bond voll ausgebremst — weil er nur Automatik kann (…). Statt Einfahren mit dem Aston Martin DBS gab’s für Bond deshalb erst mal ’nen Boxenstopp.“

Um die mit allerlei Häme ausgeschmückte Meldung anschaulicher zu machen, hat Bild.de sie mit dem Foto eines Aston Martin Vanquish S (O-Ton: „ein ähnlich heißes Teil wie James Bonds neuer Flitzer“) illustriert (siehe Ausriss). Und immerhin das stimmt: In „Casino Royal“ fährt James Bond u.a. ein neues Aston-Martin-Modell, den DBS, der offenbar dem Vanquish S recht ähnlich sieht.

Absurd ist die von Bild.de gewählte Bebilderung dennoch. Schließlich lässt sich das sequentielle Sechsganggetriebe eines Vanquish S nur im Tiptronic- oder Automatikmodus fahren und dürfte — wie auch der neue DBS — selbst Fahrern ohne Schaltwagen-Erfahrung kaum Schwierigkeiten bereiten.

Aber die Bild.de-Illustration ist zudem auch völlig unsinnig.

Denn die Schaltgetriebe-Schwäche des Bond-Darstellers hat rein gar nichts mit seinem „High-Tech-Dienstwagen“ zu tun. Anders als Bild.de behauptet, geht es nämlich in der ursprünglichen Meldung (die auch Ireland On-Line stark verkürzt, aber korrekt wiedergab), mitnichten um den brandneuen Aston Martin DBS, sondern um ein ganz anderes Auto: den guten, alten Aston Martin DB5 (siehe Ausriss), der in den „James Bond“-Filmen „Goldfinger“ (1964) und „Thunderball“ (1965) sowie — als kurzes Selbstzitat — in „Morgen stirbt nie“ (1997) zum Einsatz kam, aber auch im neuen „Bond“ eine kleine Rolle spielen und dabei eben von Craig gefahren werden soll. Mit Schaltgetriebe. Begriffen hatte Bild.de das alles offensichtlich nicht.

Und was macht „Bild“? Druckt die korrekte Nachricht heute leicht verständlich in ihrer Seite-1-Rubrik „Verlierer“ des Tages. Dort heißt es dann auch richtig, dass der Oldtimer „extra umgebaut werden“ musste — was die gestrige Behauptung von Bild.de, Craig bekomme „jetzt Nachhilfe in Sachen ‚richtiges‘ Autofahren“ wie eine faustdicke Lüge aussehen lässt.

„Verlierer“ des Tages ist laut „Bild“ aber dennoch nicht Bild.de, sondern Craig.

Nachtrag, 5. März. Bild.de hat die Fehler erst noch ein bisschen verschlimmert, und dann ein bisschen korrigiert.