„Bild“ macht Bohlen-Witze

Heute steht einer der lustigsten Sätze seit langem in der „Bild“-Zeitung. Er lautet:

RTL glaubt so fest an den Erfolg von Dieter Bohlen, daß der Sender den [Zeichentrick-Film über Bohlen] sogar als Gegenprogramm zu „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk (55) im ZDF zeigt.

Der ist gut.

Wenn „Wetten dass“ läuft, guckt kein Schwein RTL. Deshalb lässt der Sender an diesen Samstagen sein Erfolgsprogramm „Wer wird Millionär“ ausfallen. Deshalb lässt der Sender an diesen Samstagen sein Erfolgsprogramm „Deutschland sucht den Superstar“ ausfallen. Deshalb wiederholt der Sender an diesen Samstagen fast immer irgendwelche alten Spielfilme.

Die naheliegende Erklärung, warum RTL „Dieter – der Film“ gegen „Wetten dass“ zeigt, wäre diese: Der Sender hält ihn für einen hoffnungslosen Fall.

Aber Dieter Bohlen ist ein Freund der „Bild“-Zeitung, und für Freunde tut man schon mal etwas. Man schreibt über einen der unmöglichsten Sendeplätze (nämlich parallel zur meistgesehenen Sendung im deutschen Fernsehen), es handele sich um die „beste Sendezeit“. Man zitiert Bohlen mit den Worten „Ich bin echt froh, daß der Film endlich fertig ist“ und verschweigt, dass das Werk schon im Herbst 2004 ins Kino hätte kommen sollen, erst verschoben und schließlich, wie „Bild am Sonntag“ im Juli 2005 schrieb, „von den Kinobossen“ aus dem Programm geworfen wurde. Man jubelt: „Pop-Titan ist er schon. Jetzt wird er auch noch Filmstar!“, obwohl der Film doch gerade (trotz gegenteiliger Prognosen von „Bild“) das vorläufige Ende des Traums von einer Leinwandkarriere bedeutete.

Exklusiv: Bohlen als ComicSogar auf die Seite 1 hat die „Bild“-Zeitung ihren Freund gehoben (siehe Ausriss), und das Wort „exklusiv“ darin ist vielleicht der zweitbeste Witz in „Bild“ seit langem. Die Zeitung hat die Bilder nämlich einfach von der RTL-Presseseite heruntergeladen, wo sie ganz offiziell und genau für diesen Zweck seit zwei Tagen herumliegen. Anderswo im Netz waren die Screenshots schon vorher zu finden. Und dass die Bilder trotzdem halbwegs „exklusiv“ wirken, liegt nur daran, dass andere Medien kein Interesse hatten, auf einen Film, der offensichtlich zu schlecht fürs Kino war, drei Wochen vor der Ausstrahlung im Fernsehen groß hinzuweisen.