Abschreiben ist schwer

Grimme-Preis-Affäre – ‚Tagesspiegel‘ feuert Redakteur

Berlin – Der Berliner „Tagesspiegel“ hat aus der Affäre um die angebliche Nominierung der ehemaligen Irak-Geisel Susanne Osthoff für den Grimme-Preis Konsequenzen gezogen: Laut ‚Süddeutsche Zeitung‘ wurde dem Politik-Redakteur, der Osthoff beim Grimme-Institut vorgeschlagen hatte, gekündigt. Der Medien-Ressortleiter, der über den Vorschlag des Kollegen berichten ließ, und zugleich Mitglied der Grimme-Jury war, legte sein Amt nieder.“

So berichtet „Bild“ – und hat es noch immer nicht begriffen:

Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: Susanne Osthoff ist niemals für den Grimme-Preis no-mi-niert gewesen – und „angeblich“ nur insofern, als auch „Bild“ selbst im Gegensatz zum „Tagesspiegel“, der öfter mal kritisch über „Bild“ zu berichten wusste, wiederholt den falschen Eindruck erweckt hatte, sie wäre. Osthoff war lediglich für einen Grimme-Preis vor-ge-schla-gen worden, was einen Unterschied macht, weil quasi jeder jeden vorschlagen kann. (Und vielleicht sollte man an dieser Stelle auch nochmals erwähnen, dass die Berufung des Medien-Ressortleiters in die Grimme-Jury mit dem Vorschlag des Kollegen wenig zu tun hat: Die Grimme-Jury berät über die Nominierten, nicht über die Vorschläge.) Wie „Bild“ darüber hinaus darauf kommt, dass der Medien-Ressortleiter über den Vorschlag „berichten ließ“, ist schleierhaft: Unter der Meldung im „Tagesspiegel“ steht für jedermann sichtbar sein persönliches Kürzel „jbh“. Und das wusste bislang sogar „Bild“ besser.

Die „Süddeutsche Zeitung“ übrigens, auf die sich „Bild“ bezieht, berichtet über der Sachverhalt hingegen völlig korrekt.