Von gut informierter Seite informiert

Ob Brad Pitt und Angelina Jolie zur Verleihung der „Goldenen Kamera“ kommen würden, sorgte im Vorfeld für viele Spekulationen. Spiegel Online beispielsweise behauptete sogar,“von gut informierter Seite“ erfahren zu haben, dass die beiden Schauspieler „als Laudatoren“ aufträten. Tatsächlich war es eine schlecht informierte Seite – Pitt und Jolie kamen nicht.

Unglaublich! Brad Pitt verzichtet auf Millionenspende für WaisenkinderUnd die „Bild am Sonntag“ erklärt sogar wieso. „Nach BamS-Informationen“ (siehe Ausriss) verhält es sich nämlich folgendermaßen :

Der Schauspieler Brad Pitt, der sich vergangene Woche mit seiner Freundin Angelina Jolie privat in Berlin aufhielt, sei für die Verleihung der „Goldenen Kamera“ am Donnerstag „in der Auswahl der Kandidaten für die Kategorie ‚Schauspieler international'“ gewesen, hätte also einen Preis verliehen bekommen können – und sollen. Aber:

„Pitt hatte für sein Erscheinen eine Million Dollar gefordert. Das Geld sollte in die Stiftung seiner Freundin Angelina fließen (Jolie-Stiftung), die sich unter anderem um Waisenkinder kümmert.

Vor diesem Hintergrund gelang es den Verantwortlichen des Medienpreises, die geforderte Summe mit Hilfe eines englischen Sponsors aufzutreiben.

Doch Brad Pitt lehnte überraschend ab – ihm soll plötzlich der Sponsor nicht gepaßt haben.“

Dazu vielleicht dreierlei:

1.) Die „Goldene Kamera“ ist ein Medienpreis der TV-Illustrierten „Hörzu“, die wie „Bild“ und „BamS“ vom Axel-Springer-Konzern herausgegeben werden. Die Verleihung fand in der Berliner Springer-Dependance statt. Einziger Kronzeuge der „BamS“-Geschichte über Pitt ist ein gewisser Thomas Garms, Chefredakteur der „Hörzu“.

2.) Eine Kategorie „Schauspieler international“ gab es in diesem Jahr nicht. Und es gab sie auch in den vergangenen zwei Jahren nicht – ebensowenig wie einen Hinweis darauf, dass in diesem Jahr Brad Pitt und/oder andere internationale Schauspieler nominiert gewesen wären.

3.) Richtig verwunderlich wird der „BamS“-Bericht am Ende. Dort heißt es:

„BamS fragte Cindy Guagenti, die persönliche Sprecherin des Schauspielers. Die antwortete ausweichend: ‚Brad Pitt war im Rahmen einer persönlichen Geschäftsreise vor und nach der Verleihung in Berlin. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.'“

Die „BamS“ verrät nicht, was sie Guagenti gefragt hat, um diese angeblich ausweichende und knappe Antwort zu bekommen.

Wenn wir bei Cindy Guagenti nachfragen, was es mit der „BamS“-Berichterstattung auf sich habe, dauert es hingegen nicht lange, bis wir eine weitaus ausführlichere Antwort bekommen – und eine überraschende dazu. Unter anderem teilt uns nämlich Guagenti zu dem „BamS“-Bericht mit:

„Der Artikel ist komplett unwahr.“

Pitt, der Preise wie die „Goldene Kamera“ grundsätzlich ablehne, habe „niemals irgendeine Gegenleistung für den Preis verlangt„. Vielmehr seien ihm, so Guagenti weiter, von den Veranstaltern eine „Goldene Kamera“ und darüber hinaus tatsächlich auch „eine Million Dollar für einen wohltätigen Zweck seiner Wahl“ angeboten worden. Allerdings habe sich herausgestellt, dass „die Spende nicht das war, was sie zunächst schien“. (Laut Pitts Sprecherin hatten die Veranstalter bezüglich ihrer Gegenleistungsforderungen „die ursprüngliche Abmachung geändert“.) Und daraufhin habe Pitt dann dankend abgelehnt.

Natürlich fragen wir morgen auch noch mal bei den Veranstaltern der Preisverleihung und bei der „BamS“ nach, bitten um Stellungnahme zu Vorwürfen und Ungereimtheiten und hoffen auf keine ausweichende Antwort. Und vielleicht erfahren wir ja auch was „von gut informierter Seite“, wer weiß.

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