Verfestigter Irrtum

Gestern stand in der Berliner „Bild“-Ausgabe dieser Text über die Dauerausstellung im Haus der Wannsee-Konferenz:

Über die Bedeutung der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 heißt es dort:

Anschließend war die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossene Sache.

Womit „Bild“ eine gängige, aber überholte, wenn nicht gar falsche Ansicht wiedergibt. Dass „Bild“ sie in einem Text über das Haus der Wannsee-Konferenz weiterverbreitet, ist vor allem deswegen ärgerlich, weil das Haus der Wannsee-Konferenz sich u.a. gerade zur Aufgabe gemacht hat, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen, den es für einen „fast nicht mehr revidierbaren Irrtum der Geschichtsschreibung und der Publizistik“ hält, wie es dort auf der Internetseite heißt. (Weiter heißt es: „Diese Behauptung kommt dem verbreiteten Bedürfnis entgegen, außergewöhnliche geschichtliche Ereignisse mit konkreten Entscheidungssituationen zu belegen.“) Denn zum Zeitpunkt der Konferenz gab es nichts mehr zu beschließen, die planmäßige Ermordung von Juden war spätestens seit dem Sommer 1941 in vollem Gange. Auf der „Wannsee-Konferenz“ ging es um die organisatorische Umsetzung des Völkermords.

P.S.: Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass darüber hinaus die ausschmückenden Kleinigkeiten am Textanfang offenbar von „Bild“ frei erfunden wurden und einige weitere Details nicht stimmen: Das Treffen war nämlich keine „morgendliche Konferenz“, es gab kein „üppiges Frühstück“, keinen „heißen Tee“ und keinen „Kellner“. Vielmehr begann die Besprechung laut Wolf-Dieter Mattosch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, mittags um 12 Uhr, und SS-Ordonanzen reichten französischen Cognac und Häppchen. Der Begriff „Frühstück“ in der Einladung sei lediglich eine stehende Floskel aus der Diplomatie. Und „Berlins schrecklichste Villa“ wurde auch nicht „wiedereröffnet“. Sie war, samt ihrer ständig wechselnden Ausstellungen, die ganze Zeit offen. Lediglich die Dauerausstellung zur „Wannsee-Konferenz“ war nicht zugänglich.