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Die miesen Geschäfte mit der Angst

Vielleicht erinnert sich ja noch wer an diesen Erfinder, von dem „Bild“ ebenso irrwitziger- wie fälschlicherweise und wider besseres Wissen behauptet hatte, er könne aus toten Katzen Benzin machen. Nein? Macht nix. Denn, was „Bild“ kann, kann die „Bild am Sonntag“ schon lange:**

Vorgestern berichtete die „BamS“ doppelseitig mal wieder über die Vogelgrippe und die „miesen Geschäfte mit der Angst“:

„Es gibt Menschen, die von dieser Angst profitieren wollen“, schrieb die „BamS“ und berichtete von einem „Luftreiniger“ bzw. „Raumluftsterilisator“, vertrieben durch die Pinneberger Firma Kobra Biotechnic. Viroxx heißt das Ding, das (laut „BamS“) „aussieht wie eine rollbare Heizung“ und 4980 Euro kostet. „Schon 250 Geräte haben wir verkauft“, zitierte die „BamS“ den Geschäftsführer der Firma, Uwe Perbandt, im O-Ton…

… und anschließend den Vogelgrippe-Experten Christian Drosten vom renommierten Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin („kopfschüttelnd“):

„Luftreiniger und ähnliches können Sie als Schutz vor Vogelgrippe oder Influenza vergessen, das ist reine Geschäftemacherei.“

Sein Urteil klingt nicht gut. Und fragt man bei Christian Drosten nach, bestätigt er zunächst: Genau so sei es, und genau so habe er es auch der „BamS“ auf Anfrage gesagt. Allerdings sei er vom Leiter der „BamS“-Medizinredaktion, Bernd Schwedhelm, nur pauschal „nach irgendwelchen Geräten zur Luftreinigung gefragt worden“. Vom erwähnten Viroxx-Gerät hingegen sei in dem Telefonat mit Schwedhelm überhaupt keine Rede gewesen. Anderfalls wäre seine Antwort vermutlich anders ausgefallen.

Und so verwundert es auch kaum, dass es nach Erscheinen des „BamS“-Artikels auf der Website der Viroxx-Hersteller heißt, die Darstellung der „Bild am Sonntag“ sei „absolut unzutreffend“:

„Bei VIROXX handelt es sich nicht wie dargestellt, um einen herkömmlichen Luftreiniger, sondern um ein Entkeimungssterilisationsgerät. (…) Auf die Frage der Journalistin, wie viele Geräte die Firma schon hergestellt habe und an wen es vertrieben wurde, lautet die Originalantwort „Es handelt sich um ca. 250 Geräte, die ausschließlich an deutsche Fachkliniken, Arztpraxen und Labore vertrieben wurde.“ (…) Auch wurde den Journalisten deutlich gesagt, das VIROXX für den Einsatz in Wartezimmern und kleineren Operationssäalen gedacht ist (…).* Es ist uns wirklich unverständlich, wie uns Panikmache vorgeworfen wird und unsere Technologie mit ‚Lutschbonbons‘ in den Zusammenhang gebracht werden kann.“

(Außerdem heißt es, von dem Gespräch mit der „BamS“ gebe es „einen digitalen Mitschnitt“.)

Und tatsächlich handelt es sich beim Viroxx um ein medizinisches Gerät, das nicht nur TÜV-geprüft und zugelassen ist, sondern dessen Wirksamkeit am Beispiel des SARS Corona-Virus auch von der Universität Marburg zertifiziert wurde (das Gutachten liegt uns vor), weshalb Viroxx-Mann Uwe Perbandt, nachhaltig irritiert, auch nicht versteht, worin sein Geschäft mit der Angst bestehen soll.*

Perbandt berichtet uns außerdem, es habe die niedersächsische Landesregierung (deren Ministerpräsident Christian Wulff den Viroxx-Fabrikanten Bioclimatic noch im Juli 2005 besucht und als innovatives Unternehmen gelobt hatte) nach der offensichtlich grob verfälschenden „BamS“-Veröffentlichung ihre Unterstützung zugesagt. Zudem habe sich der in der „BamS“ zitierte Virologe Drosten bei ihm bereits netterweise schriftlich für sein von der „BamS“ so sinnentstellend verwendetes Statement entschuldigt. Sogar ein Mitarbeiter aus dem Hause „Bild“ habe ihn für die (nach Perbandts Einschätzung) schon jetzt geschäftsschädigende Berichterstattung um Entschuldigung gebeten.

Stattdessen aber, so Perbandt, habe er die Angelegenheit dann doch lieber seinen Anwälten übergeben.

Mit Dank an Daniel S. für den Hinweis.

*) Nachtrag, 15:45:
Tatsächlich bewirbt die Firma Kobra Biotechnic das Viroxx-Gerät auch für den privaten Gebrauch. Den Beweis, dass es sich dafür nicht eigne, bleibt die „BamS“ jedoch schuldig.

**) Nachtrag, 19:10:
Wir haben den Vorspann nach Veröffentlichung aufgrund neuer Erkenntnisse gestrichen, da der Vergleich uns nicht mehr angemessen erschien.

Zur Klarstellung:
Wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen das Viroxx-Gerät sinnvoll ist. Die Antwort auf diese Fragen müssen wir Vogelgrippe- oder Virologenblogs überlassen. Wir sind das BILDblog, unser Thema ist die Berichterstattung von „Bild“, „BamS“ und Bild.de.

Es mag sein, dass die aktuelle Viroxx-Werbung, die das Gerät auch für den Einsatz jenseits von öffentlichen Orten wie Arztpraxen oder Flughäfen empfiehlt, zweifelhaft ist. Ganz sicher aber ist die „Bild am Sonntag“-Berichterstattung zweifelhaft. Als ein Beweis für ein angebliches „mieses Geschäft“ mit der Vogelgrippe zitiert die „BamS“ einen Experten, der allerdings gar nicht wusste, dass er sich zu Viroxx äußert. Der Eindruck, den die „BamS“ erweckt, es handele sich bei dem Gerät um eine Art wirkungslose Attrappe, ist nach unseren Recherchen falsch.

Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn die „Bild am Sonntag“ nach vielen Artikeln der „Bild“-Zeitung, die Panik vor der Vogelgrippe verbreiteten, einen Artikel gegen die Panikmache veröffentlicht. Aber auch bei diesem hehren Ziel muss die „BamS“ nach unserer Überzeugung journalistische Standards einhalten.