Jacquemart, Hug, Denk, Gutjahr

Journalistenpreise für falsche Recherchen, ein Willkommensgruss an die neue taz-Chefin, weniger missionieren und mehr filtern. Und die Schweiz plane die „vollständige Überwachung des Internetverkehrs von verdächtigen Personen“.

1. „Journalistenpreis für Falsch-Recherchen“

(weltwoche.ch, Roger Köppel)

Roger Köppel beschäftigt sich ausführlich mit dem Fall Swissfirst und den Preisträgern des Zürcher Journalistenpreises 2007, Charlotte Jacquemart und Daniel Hug von der NZZ am Sonntag, die damals mit 7000 Franken ausgezeichnet wurden: „Anders als in den USA oder Grossbritannien, wo Journalistenpreise bei klaren Fehlleistungen wieder eingezogen werden, können sich die Schweizer Kollegen offenbar der unverbrüchlichen Solidarität ihrer Zunftgenossen sicher sein.“ Hier eine Stellungnahme der Jury zu den Forderungen nach einer Aberkennung des Preises vom 6. Mai 2009.

2. Interview mit David Denk und Christian Semler

(epd.de)

Hallo, neue Chefredakteurin! Ines Pohl wird von David Denk nicht mit einer „Drohung“, sondern nur mit der „Wahrheit“ begrüsst: „Einerseits spüre ich in der Redaktion nach so vielen Jahren mit der gleichen Chefredaktion schon den Wunsch nach einem neuen, anderen Führungsstil, andererseits wird man bei der taz sicherlich auch nicht glücklich, wenn man den Boss raushängen lässt. (…) Gegen die Redaktion funktioniert bei der taz nämlich gar nichts. Und das ist keine Drohung, sondern nur die Wahrheit.“

3. „Shift Happens!“

(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)

Richard Gutjahr, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, macht eine Einschätzung der Lage: „Die klassischen Medien müssen ihre Rolle neu definieren. Weniger missionieren, mehr filtern. Eigene Inhalte erstellen, ja, aber eben auch: die wichtigen von den unwichtigen Informationen aus dem Netz picken und auf ihre Richtigkeit hin überprüfen (durch professionelle Recherche!).“

4. „Vorsicht, Hype!“

(tagesspiegel.de, Leo Busch)

„Alle Sender wollen den interaktiven Zuschauer. Aber der will nur – fernsehen.“

5. „Mit dem Staat ins Internet“

(woz.ch, Heiner Busch und Dinu Gautier)

„Vertrauliche Dokumente, die der WOZ vorliegen, zeigen: Der Bund plant die vollständige Überwachung des Internetverkehrs von verdächtigen Personen. Ab dem 1. August müssen die Internetprovider, also die Anbieter von Internetzugängen, technisch aufrüsten. Künftig sollen sie in der Lage sein, die Internetnutzung ihrer KundInnen unmittelbar an die Behörden zu übertragen.“

6. „10 Reasons You’ll Actually Miss Newspapers“

(businessinsider.com)

10 Gründe, warum wir die Zeitung eines Tages furchtbar vermissen werden.

7. Google antwortet auf die Hamburger Erklärung

(googlepolicyeurope.blogspot.com)

Als Bonus heute eine Nummer 7. Nämlich die Antwort von Google auf die „Hamburg Declaration“ europäischer Verleger: „If a webmaster wants to stop us from crawling a specific page, he or she can do so by adding (…) to the page. In short, if you don’t want to show up in Google search results, it doesn’t require more than one or two lines of code.“