Guttenberg, Kummer, Todesspirale

Die Woz verteidigt Tom Kummer teilweise, die deutschen Medien verklären ihre Wikipedia-Recherchen und die EU warnt vor Journalisten. Unsere Presse- und Blogschau.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Der falsche Wilhelm (Keystone)

1. „Wilhelm II.“
(bildblog.de, spYri)
Bildblog zeigt am Tag nach dem Abschreibe-Fiasko auf, wie deutsche Medien mit ihrem Fehler umgehen, auf den bei Wikipedia eingefügten Vornamen vertraut zu haben.

2. „Falsche Behauptungen über neuen Wirtschaftsminister“
(ndr.de, Video, 4:45 Minuten)
Eine ebenso fragwürdige Rolle übernehmen Medien bei der Beschreibung des früheren Jobs des neuen Wirtschaftsministers. So schreiben viele, er sei für die Von Guttenberg GmbH in Aschheim tätig gewesen. Diese schreibt auf vonguttenberg.de: „Aufgrund nicht zutreffender Informationen (u. a. FOCUS, Tagesspiegel, Spiegel, Wikipedia u.a. basierend auf einer dpa Mitteilung) wird unser Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe mit dem CSU-Generalsekretär Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht. Hiermit informieren wir Sie darüber, dass es sich hierbei um Fehlinformationen handelt.“

3. „Der EU sind Reporter verdächtig“
(faz.net, Michael Stabenow)
„Die Europäische Kommission warnt ihre Mitarbeiter vor Spionen. Als unbedingt verdächtig stuft sie, wie ein interner Vermerk zeigt, pauschal die Berufsgruppe der in Brüssel tätigen Journalisten ein.“

4. „Nach zehn Jahren kennt die Zukunft kein Morgen mehr“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
„Am Mittwoch wurde das Aus für die Internet-Zeitschrift ‚Tomorrow‘ bekannt. Was bleibt ist die Geschichte eines Magazins mit sehr bewegten zehn Jahren an den deutschen Kiosken. DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath erzählt die bewegte Geschichte der ‚Tomorrow‘ und analysiert, warum es keine Zukunft für den Titel geben konnte.“

5. Interview mit Marc Fisher
(sueddeutsche.de, S. Weichert u. L. Kramp)
Marc Fisher von der Washington Post gibt den Zeitungen keine zehn Jahre mehr: „Ich möchte wirklich nicht übertreiben, aber wenn ich ehrlich bin, wird es nicht einmal mehr fünf Jahre dauern, bis Zeitungen verschwinden. Der Auflagenrückgang beschleunigt diesen Prozess mit einer solchen Geschwindigkeit, dass viele Fachleute in den USA inzwischen von einer ‚Todesspirale‘ sprechen.“

6. „Kummer mit Tom“
(woz.ch, Carlos Hanimann)
Die Woz reagiert in einem Medientagebuch auf die Vorwürfe gegen den Superbowl-Artikel von Tom Kummer und glaubt, dass Schreibende die Nerven verlieren, wenn Kummer schreibt. Aus Ungenauigkeit werde dann Betrug, aus einer Metapher ein gefälschtes Zitat. Einzelne Einwände seien aber doch angebracht: „Laut Kummer soll Steven Spielberg in der ‚Los Angeles Times‘ gesagt haben, die Super Bowl sei die ‚beste, emotionalste Footballshow aller Zeiten‘ gewesen. Kummer spricht von Verwechslung: Spielberg habe das im Fernsehen zu einem Reporter gesagt. Belegen lässt sich das nicht.“