medienlese – der Wochenrückblick

Kritische Masse, digitale Elite, Markus Bleckebach.

Kritische Masse, digitale Elite, Markus Bleckebach.

Unter dem Motto „die kritische Masse“ fand zum zweiten Mal in Berlin die Konferenz re:publica statt. Nicht nur der Ort war der Gleiche, sondern auch auf den Podien sassen oft die gleichen Leute wie im Jahr zuvor, die dann auch oft noch die gleichen Themen wie im Jahr zuvor behandelten. Für Benedikt Köhler beispielsweise war vieles selbstgefällig, ihm fehlte die Kontroverse und der Blick in die Zukunft: „Es ist schon etwas merkwürdig: Einerseits neigen die Blogger dazu, sich als Gegenveranstaltung darzustellen. Andererseits ist aber jeder zur PR in eigener Sache unterwegs.“ Über die kritische Masse vermochte immerhin dieser per SMS verschickte und an der SMS-Wand hinter dem Podium im grossen Saal publizierte Beitrag aufzuklären.

Marcus Schuler von dradio.de schrieb zur Konferenz: „Während man noch vor zwei, drei Jahren die Blogger und ihre Blogs in Deutschland als neue Gegenöffentlichkeit zum klassischen Journalismus zelebrierte, hat sich der Hype um die neue digitale Elite – so sehen sich Deutschlands Blogger gerne, sie sind es aber wohl nicht – längst wieder gelegt.“ Dazu ist zu sagen, dass sich das Wesen und die Aussagen von Deutschlands Bloggern in etwa so gut zusammenfassen lässt wie das Wesen und die Aussagen verschiedener Rufe von Vögeln, die man bei einem Waldspaziergang hört. Wer auch immer mit dem „man“ im ersten Satz gemeint ist – es könnte sich um die selbe Gruppe handeln, die kürzlich wegen einer Anwendung wie Second Life kurzzeitig in Aufregung geriet.

Markus Bleckebach, so heisst einer der Organisatoren der re:publica 08 – jedenfalls, wenn es nach der dpa geht. Natürlich ist das nicht so – der werte Herr wurde auf den Namen Markus Beckedahl getauft und schreibt für netzpolitik.org. Doch Markus Bleckebach lebt! Zurzeit bei suedkurier.de, bei szon.de, bei bigfm-saarland.de, und bei verivox.de.

Journalist Peter Muzik äusserte sich gegenüber extradienst.at über seinen Alkoholkonsum: „Die Frage ist kein Problem, weil ich kein Problem mit Alkohol habe. Ich habe nie Bier getrunken, nie was Härteres, und die letzten Jahre über nur mehr Rotwein. Davon höchstens zwei Vierterl am Abend, selten ein drittes. Mit viel Wasser dazu.“

Das Blog von rechtsanwalt.com zählte den vierzigtausendsten Nutzer, slug.ch kündigte neue Funktionen an und ZDF-Intendant Markus Schächter sagte: „Wer nicht im Netz ist, hat keine Zukunft„. Es wurden neue Formen im Umgang mit analogen Kommunikationsmitteln gefunden.

Der meistgelesene 6-vor-9-Link bei medienlese.com war Stefan Niggemeiers Beitrag über die Einwegkommunikation der Berliner Zeitung zum neuen Onlineauftritt, knapp gefolgt von der Sonntagszeitung mit dem Text über Sexkolumnistinnen. Der meistgelesene Artikel der Woche war das gemeinsam mit Florian Steglich livegebloggte re:publica-Panel „Geld verdienen mit Blogs – reloaded“.