medienlese.com – der Wochenrückblick

Keine Krähen, Abgang verpasst, Geld von Belgien, Schleichwerbung.

Keine Krähen, Abgang verpasst, Geld von Belgien, Schleichwerbung.

Der Schweizer Textkünstler Christoph Geiser („kein morgen | kein wind | keine krähen | in den ästen | wartet laub | den mond | vergass ich | zwischen den gittern wächst | frost | die steine waren noch warm | als ich starb“, Zuger Tagblatt, 2. Juni 1971) blitzte vor dem Presserat ab mit einer Beschwerde gegen einen Artikel aus dem inzwischen eingestellten Facts. Die implizite Unterstellung, er benütze seine sexuelle Orientierung zur Beschaffung von Fördermitteln, entbehre jeglicher tatsächlichen Grundlage. Der Text von Daniel Arnet nannte sich „Die Subventionskünstler“ und nannte die Schweizer Literaturförderung ein dunkles Kapitel. Wer ein Gesuch schreiben könne und Modethemen verwurste, habe alle Chancen, Steuergelder abzusahnen. Talent brauche es kaum.

Der Ringier-Verlag baute einige wenige Stellen ab („Es besteht ein grosszügiger Sozialplan. Wenn immer möglich werden den Betroffenen intern Stellen angeboten.“) und will ab Februar nicht mehr mit dem Karikaturisten des hauseigenen Boulevardblatts Blick zusammenarbeiten. Der „geniale“, aber „schon beim Tagi völlig überbezahlte Nico mit seinen horrenden Lohnforderungen“ habe „wohl den Abgang verpasst“ (persoenlich.com Kommentare).

Der Unternehmer und Schriftsteller Philippe Lemoine äusserte sich zum Internet: „Die Elite denkt, wenn man alles laufen lässt, nimmt die Verdummung zu. (…) Abgesehen von dem Thema der kollektiven Intelligenz: Es handelt sich um eine Begegnungswelt, in der es nicht nur darum geht, seine Meinung auszudrücken, sondern auch bestimmte Gefühle und Sehnsüchte kundzutun. Wenn man das nicht erkennt, dann versteht man das Internet nicht.“

Der EU-kritische Journalist Hans-Martin Tillack erhält von Belgien 10.000 Euro Entschädigung sowie die Gerichtskosten von 30.000 Euro vergütet. So entschied es der Europäische Menschenrechtsgerichtshof. Eine Durchsuchung von Tillacks Wohnung und Büro in Brüssel wurde als Verstoß gegen den presserechtlichen Informantenschutz gewertet.

Ex-CSU-Politikerin Gabriele Pauli behauptete, sie mache es nicht nur des Geldes wegen und meinte damit die Bezahlung für die Zulieferung von exklusiven Informationen.

Die Netzeitung am 29.11.2007: „Presserat rügt sieben Schleichwerbungen“. Am 06.09.2007: „‚Schleichwerbung ist kein Kavaliersdelikt'“. Stefan Niggemeier am 08.05.2007: „Inzwischen hat die ‚Netzeitung‘ eine neue Form nicht gekennzeichneter Werbung akquiriert. Zwischen dem Kopf und den Artikeln liegt eine Art Menuleisten-Imitation von Microsoft Office“.

DE:BUG machte die unglaubliche Entdeckung, dass gewisse Medienmenschen verheiratet sind. Die Regierung im Kanton Waadt sperrte ein privates Blog. In Griechenland erschienen am Dienstag keine Zeitungen, die Bildagentur Keystone wurde von den Nachrichtenagenturen APA und SDA übernommen und die Schweizer Wochenblätter Handelsblatt und Sonntagszeitung beglückten ihre Leser mit einem neuen Design und mehr Texten online. Einige Schweizer Medien brachten den Präsident vom FC Thun zum weinen und für CNN gibt es die DDR offenbar immer noch.

Update am 02.12.2007, 21:30 Uhr: CNN konnte inzwischen Deutschland auch auf der Wetterkarte vereinen.