Hefte raus, Klassenarbeit!

Das Bildungsministerium von Rheinland-Pfalz (das ist jenes Bundesland, in dem Doris Ahnen, laut „Bild“ die „erbittertste Kämpferin für die neue Rechtschreibung“, Bildungsministerin ist) hat seit dem Jahr 2001 grob geschätzt etwa 500 Pressemitteilungen und Grußworte veröffentlicht, vielleicht waren es auch noch ein paar mehr. „Bild“, die seit Wochen einen erbitterten Kampf gegen die neue Rechtschreibung führt und bald zu den alten Regeln zurückkehren will, hat diese Grußworte und Pressemitteilungen nun gelesen und gibt zwar keinerlei Auskunft darüber, dass es rund 500 waren, fördert aber Erschreckendes zu Tage:

In Texten von Deutschlands mächtigster Kultusministerin Doris Ahnen wimmelt es von Fehlern

Tatsächlich fand „Bild“ in den rund 500 Texten, die im Durchschnitt etwa die Länge eines langen „Bild“-Artikels haben dürften, insgesamt 11 Fehler. Das heißt also, dass es im Durchschnitt in jedem einzelnen Text von ca. 0,022 Fehlern nur so wimmelt.

Streng genommen müssten von den 11 Fehlern noch 4 abgezogen werden, weil es „Bild“ ja explizit um die Unsicherheiten „in Sachen neue Rechtschreibung“ ging. Einen, weil „So gehts“ nach der neuen Regelung ebenso richtig ist, wie „So geht’s“; einen, weil „insbesonders“ noch nie richtig war; und zwei, weil „Hausaufgabenbetreung“ und „Unterrrichtskonzepten“ doch wohl eher Flüchtigkeits- oder Tippfehler sein dürften. Rein rechnerisch blieben dann also nur noch 0,014 wimmelnde Fehler pro Text übrig. Aber, wir wollen mal nicht kleinlich sein.

P.S.: Wo wir schon beim Verschweigen von Zahlen sind: Auf der
„Bild“-Titelseite heißt es, „Überwältigende Mehrheit der Deutschen will zurück zur klassischen Rechtschreibung“. Was eine überwältigende Mehrheit ist, steht da nicht. Am 28. Juli allerdings, war in „Bild“ dies zu lesen
.

Nachtrag, 12.08.04: Es stimmt, noch strenger genommen müssten zwei weitere Fehler von der „Bild“-Liste abgezogen werden, denn natürlich ist „grossen“ nach der neuen Rechtschreibung ebenso falsch wie nach der alten, und tatsächlich erlaubt die neue Rechtschreibung „viele Tausende“ ebenso wie „viele tausende“. Blieben also noch 0,01 Fehler pro Text. Aber wir wollten ja nicht…

Dank an Eleni S. und Julius B. für die „sachdienlichen Hinweise“