medienlese – der Wochenrückblick

Haldimann und Pflegeheim, Kiffer und IQ, PR und Wahrheit.

Haldimann und Pflegeheim, Kiffer und IQ, PR und Wahrheit.

Das Zürcher Obergericht verurteilte vier Mitarbeitende des Schweizer Fernsehens, weil sie eine versteckte Kamera eingesetzt hatten. Chefredaktor Ueli Haldimann, einer der Verurteilten, schrieb in einem Blogbeitrag dazu, es werde „nach Vorliegen der schriftlichen Begründung“ entschieden, ob man den Fall ans Bundesgericht weiterziehen wolle – ein Vorgehen, zudem seltsamerweise der Gerichtspräsident aufforderte, „damit nachher Rechtsklarheit herrsche“. Blick.ch schrieb sofort dazu einen hämischen Beitrag mit dem Titel „Muss ich bald im Pflegeheim arbeiten?“ – ein Artikel, der im Gegensatz zum Text „Jetzt grabscht das Gesetz nach Haldimann“ nicht mehr online ist. Dass ausgerechnet ein Boulevardblatt sich freut, wenn die Pressefreiheit eingeschränkt zu werden droht, ist befremdlich. Ist das die in unserer Gesellschaft verloren gehende Solidarität, von der Blick immer schreibt?

In der Woche ging es der Zeitung auch um Cannabiskonsumenten. Während sie am 23.07.2007 noch titelte: „Kiffer anfälliger für Schizophrenie„, hiess es am 07.11.2007: „Kiffende Schüler sind fitter – und schlauer„. Naja, wenigstens ist man sich einig bei „SMS und E-Mail machen blöd„. Dort steht: „SMS und E-Mail schreiben kann den Intelligenzquotienten vorübergehend um bis zu 10 Punkte senken. Zum Vergleich: Haschisch senkt den IQ ’nur‘ um 4 Punkte“.

Margarethe Schreinemakers wollte „aus ihrem Haus senden„. Sie sagte der Welt: „Seit zwei Jahren beschäftige ich mich mit einer Gruppe von Fachleuten intensiv mit Internet-TV“.

Der Fluch der Gleichgültig“ erschien und PR-Mann Sacha Wigdorovits verkündete, dass ein PR-Mann die ganze Wahrheit sagen – oder schweigen müsse.

Der Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger erklärte Blogs als „ein neues, ernst zu nehmendes Medium und keinen kurzlebigen Trend„: Seine Äusserungen würden so breiter und demokratischer gestreut, als wenn er einem einzigen Medium ein Exklusivinterview gebe. Sein Blog werde täglich von Tausenden gelesen.

Der Tages-Anzeiger schaffte es, auch im Jahr 2007 einen Online-Artikel über ein Weblog zu publizieren, ohne einen Link dazu zu setzen oder wenigstens die genaue Adresse zu vermerken.

„Sie werden belächelt, kritisiert, verhöhnt, aber am Ende sind sie meistens die Ersten: Pioniere.“ So schrieb es Hans Bewersdorff in der Welt.