„Fragenkomplexe“ bei „Bild“

In seiner aktuellen Ausgabe beschäftigt sich der „Stern“ neun Seiten lang mit der „Bild“-Zeitung bzw. damit, „wie das Blatt mit Prominenten und Politikern umgeht“. Das Magazin referiert — vor dem Hintergrund der geplanten Komplett-Übernahme der TV-Sender Pro7, Sat.1, Kabel1, N24 und 9live durch die Axel Springer AG — diverse, z.T. bereits öffentlich gewordene Fälle, in denen „Bild“ erpresserische Methoden bei der Recherche vorgeworfen werden, zitiert dazwischen gelegentlich einen „Bild“-Sprecher mit Sätzen wie „Diese Äußerungen treffen nicht zu“ und nennt „Bild“ u.a. „eine riesige Vermarktungsmaschine“. Zusammenfassend heißt es im „Stern“ über „Bild“:

„Sie erfindet Geschichten, TV-Stars und Politiker fühlen sich unter Druck gesetzt. Wer sich wehrt, fürchtet Strafaktionen.“

Und über den „Bild“-Chefredakteur und -Herausgeber Kai Diekmann weiß der „Stern“ dann aktuell noch Folgendes zu berichten:

„Freund oder Feind — das ist das Raster, in dem Diekmann zu denken scheint. Bei Freunden ist auf ihn Verlass, bei Feinden kennt er kein Pardon. (…)

Als ein solcher „Feind“ in Diekmanns Schema passt auch ‚Zeit‘-Herausgeber und Ex-Politiker Michael Naumann. Er hatte „Bild“ in einem Kommentar* als das ‚Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien‘ bezeichnet. Kurze Zeit später, erzählt Naumann, habe er von Nachbarn erfahren, dass sich wiederholt Leute über ihn erkundigten, die sich als ‚Bild‘-Mitarbeiter ausgaben. In einem Brief beschwerte sich Naumann über das Ausforschen seines Privatlebens. Diekmann bestreitet den Vorwurf in seiner sechszeiligen Antwort nicht einmal: ‚Die Bild-Zeitung geht momentan einigen Fragenkomplexen nach‘, schreibt er vieldeutig, ‚bei denen auch Ihre Person eine Rolle spielt.‘ Ein ‚Bild‘-Sprecher dazu: Im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit als Kulturstaatsminister müsse sich Naumann ‚Recherchen gefallen lassen‘, einen Zusammenhang gebe es nicht.“
(Link von uns.)

*) Nachtrag, 19.12.2005:
Wir müssen uns korrigieren: Der von uns in obiges Zitat eingefügte Link führt leider in die Irre. „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann hatte die Formulierung, „Bild“ sei das „Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien“ hier nämlich nicht zum ersten Mal verwendet, sondern vor mehr als einem Jahr hier schon einmal. Und nach Informationen von fairpress.biz bezieht sich die zitierte „Stern“-Passage auf Naumanns „Geschlechtsteil“-Formulierung von 2004. (Dort findet sich auch der im „Stern“ erwähnte Briefwechsel im Wortlaut und faksimiliert.)

Nachtrag, 20.12.2005: Inzwischen ist der „Stern“-Artikel auch online.

Nachtrag, 29.12.2005: Der „Stern“-Artikel ist aus rechtlichen Gründen entfernt worden. Mehr zu den Hintergründen steht hier.