medienlese – der Wochenrückblick

Internetbranche verärgert. Digitale Bohème müde. Springer lacht.

Internetbranche verärgert. Digitale Bohème müde. Springer lacht.

Das Bildblog produzierte und schaltete einen TV-Spot, was vom Bild-Besitzer, dem Springer-Verlag, offenbar mit Humor aufgenommen wurde. Springer-Pressesprecher Dirk Meyer-Bosse sagte: „Gratulation den Kreativen zum guten Spot. Wir haben auch gelacht.“

Sexy Bilderstrecken zum Trotz informierte welt.de seine Leser am 22.08.2007, wie schon am 21.11.2004 und am 10.07.2005, über Menschen, die „einfach keinen Sex wollen“. Online first? Nein, online last. Der Text erschien nämlich bereits in Welt Kompakt, am 17.08.2007.

Felix Schwenzel scheiterte an einer Veranstaltung für digitale Bohemisten an seinem wohl eher konventionellen Schlafrhythmus und wurde müde. In China wurde ein aufmüpfiger Blogger kurzerhand in die Psychiatrie gesteckt.

Während sich in Deutschland in vielen Blogs Unmut breit macht über immer neue Gesetze, welche die Überwachung im Internet erleichtern sollen, ärgert sich gemäss dem Tages-Anzeiger die „Internetbranche“ darüber, dass das der Bundesrat nicht macht: „Blocher verärgert die Internetbranche„. Als Beispiele dafür werden ein Oberstaatsanwalt, ein Strafrechtsprofessor und der Rechtsdienst von Ebay angeführt. Was offenbar die „Internetbranche“ ausreichend repräsentiert. Weiter versuchte sich der Tages-Anzeiger in mehr Transparenz. Fahren zukünftig Journalisten auf bezahlten PR-Touren mit und entsteht daraus ein Artikel, will man das deklarieren. Wie auf medienspiegel.ch zu lesen ist, wurde so ein Versuch bereits vor eineinhalb Jahren gestartet.

SonntagsBlick-Bundeshausredaktor Beat Jost wurde von seinem neuen Chef Marc Walder gefeuert, völlig unterschiedlicher journalistischer Auffassungen wegen. Es sei für ihn „zunehmend schwieriger geworden, ernsthafte, politisch relevante Geschichten ins Blatt zu bringen“ – die wichtige Messgrösse sei der „Promi-Faktor eines Artikels“. Ob Jost mit den politisch relevanten Geschichten die von ihm und Sandro Brotz angestossene „Fax-Affäre“ meint? Die sich als kaum mehr als warme Luft herausstellte?

Listen, in denen das eigene Produkt ganz oben steht, druckt man gerne ab. So machte das auch Heute Online, das Portal einer kleineren, gratis erhältlichen Tageszeitung: „Jetzt sind die Verlierer der Informations-Revolution gefunden: Kleinere Tageszeitungen mit schlechtem Online-Auftritt.“ Blick Online übernahm die Meldung.

Schweizer können nicht mailen!“ schrieb der Blick und outete sich gleich mal als selbst davon betroffen: „Die Heuschreckenplage aus der Bibel. Es gibt sie immer noch. In Form von E-Mails. Sie belagern uns, verstopfen unseren Posteingang, fressen unsere Zeit weg – kurz: ohne Mails wäre das Leben manchmal einfacher und produktiver.“ Stimmt eigentlich, ich sollte auch mal wieder mit der Schreibmaschine einen richtigen Brief schreiben. Das würde mir sicher einiges an Zeit einsparen.