Das ganz normale Chaos

Heute hat „Bild“ mal wieder die obere Hälfte der Titelseite und eine halbe Seite im Innenteil weitgehend frei geräumt. Für eine Geschichte von Attila Albert:

Und ignoriert man mal die Überschriften, ist vieles, was Albert da so über Abschwächung und Umpolung des Erdmagnetfelds schreibt, gar nicht mal so weit von der Realität, äh, Verzeihung, Realität entfernt. Dafür aber der vermeintliche Anlass der Geschichte um so weiter. So heißt es auf der Titelseite:

Dramatische Warnung von US-Forschern: Das Magnetfeld der Erde verschiebt sich schnell wie noch nie.
(Hervorhebungen von uns.)

Und weiter hinten steht:

Der Schutzschild der Erde wankt!
Wissenschaftler sind in größter Sorge: Das Magnetfeld, das uns umgibt, könnte schon bald zusammenbrechen.
(Hervorhebungen von uns.)

Bei den kürzlich von Forschern der Oregon State University vorgestellten Ergebnissen handelt es sich aber gar nicht um eine „dramatische Warnung“, das Magnetfeld der Erde verschiebt sich auch keineswegs „schnell wie noch nie“. Deshalb sind Wissenschaftler auch nicht „in größter Sorge“ — eher im Gegenteil, wie sich hier nachlesen lässt.

Aber sagen wir es doch einfach mit den Worten von wissenschaft.de:

Jetzt gibt Joseph Stoner von der Oregon State University Entwarnung: Dass das Erdmagnetfeld unter ruckartigen Zuckungen leidet, ist ganz normal (…).
(Hervorhebungen von uns.)

Nachtrag, 14.55 Uhr: Zeit.de widmet sich übrigens in einem anschaulichen Artikel unter der Überschrift „Licht aus bei ‚Bild'“ dem dortigen „Katastrophenalarm“. (Mehr zum Thema bzw. zum Gedankenexperiment „Was passiert, wenn das Erdmagnetfeld verschwindet?“ findet sich hier.)